Die Lüge

In den Tagen des Ereignisses, das alles im Umfeld der meisten Menschen grundlegend veränderte, ahnte wohl kaum jemand, dass es einige wenige sein würden, die überlebten und sich sogar begannen zu organisieren. Wie seit Menschengedenken haben die, die solche dystopischen Armagedden überlebt haben, die daraus entstandenen prekären Lebenssituationen durch Kooperationen überwunden und so dazu beigetragen, dass das Leben weiterging.

 So lapidar und im Grunde genommen natürlich es sein mag, es ist eine der stärksten treibenden Kräfte sich organisierenden Lebens, insbesondere reagierender und interagierender Lebensgemeinschaften – Zusammenarbeit!
Auch wenn es nur verschwindend wenige waren, so viel zeichnete sich bereits kurz danach deutlich ab. Das Ereignis, wie wir es damals gerne nannten, war uns allen ein Schock. Niemand konnte von sich behaupten, dass es nicht sogar zutiefst traumatisch war. Es gab viel zu viele mental und seelisch bedingte Reaktionsszenarien bei den Überlebenden. Die wenigen, die sich in einer Gruppe befanden, hatten auf jeden Fall sehr viel Zeit, über das Ereignis zu reden. Wie genau und was dazu beitrug, verblieb im Dunkeln, denn in solchen Situationen sind nicht unbedingt ein Stift und ein Stück Papier überlebensnotwendig. Und so gab es kaum mehr Menschen, die bei allem ubiqutären Desaster noch die Zeit fanden, logisch und analytisch vorzugehen und ihre jeweiligen Erkenntnisse auch noch zu dokumentieren.

Warum das Ereignis stattgefunden hatte, das zu hinterfragen hatten diese Wenigen kaum die Möglichkeit, denn sie mussten Tag für Tag ihr Überleben versuchen zu sichern und irgendwelche Medien gab es auch einfach nicht mehr. Und da sie für gewöhnlich aus einer Zeit stammten, in der eine Vielzahl von technischen Instrumenten den Alltag bei Arbeit und Wohnen erleichterten, war es sehr schwer für sie, sich wieder umzugewöhnen.
Hatte es zu Beginn der umfassenden Extinktion des Menschen z. B. hier und da noch Strom gegeben, wurde es eigentlich von heute auf morgen völlig ungewiss, dass er noch floss oder vorhersehbar zur Verfügung stehen könnte. Er fiel in den meisten Fällen einfach nach und nach aus und es wurde dunkel. Ohne Strom  lief gar nichts mehr.
Die, die irgendwo in den weitläufigen und menschenleeren Landschaften überlebt hatten, konnten sich relativ gut von der sie umgebenden Kulturlandschaft ernähren und so auch überdauern. Einige hatten sogar Solarstromanlagen – oftmals in Häusern vorgefunden – was ihnen zumindest teil- und zeitweise ein etwas komfortableres Sein ermöglichte. Doch, und auch das ist für solche Katastrophen fast zwingend normal, statt miteinander zu kooperieren, bekämpften sich die Menschen zunächst, denn der uralte Instinkt des Überlebens verbaute vielen von ihnen den Blick für eine etwaiges Miteinander und neideten einer dem anderen etwaige technische Privilegien, wie eine Photovoltaikanlage, gar mit so gewonnenem Strom versorgte Gefährte. Allenthalben sah man an ihren Verletzungen erlegene Menschen, die zwar das Ereignis überlebt hatten, dann aber durch Gewaltexzesse zu Tode gekommen waren. Das geschah vor allem in den ehemals verstädterten Bereichen, einfach weil dort die Versorgung mit Lebensnotwendigem erheblich enger gefasst war als in den Gebieten, die als sogenannter ländlicher Raum benannt worden waren.
In den städtisch geprägten Lebensumgebungen herrschten Anarchie und die wenigen Überlebenden kämpften gegeneinander, um Nahrung, Wasser und gegebenenfalls einfache medizinische Ausstattungen für sich zu sichern. Und erst recht kämpften sie um scheinbar sichere Aufenthaltsorte. Energie- und Nahrungsbeschaffung waren stets wichtiger als irgendetwas anderes. Bedingt dadurch, dass nach und nach sämtliche Lieferketten zusammengebrochen waren, fanden ausgiebigste Plünderungen statt. Und als alle Geschäfte ausgeräumt waren, überfielen die Menschen einander, um sich am Leben zu erhalten. Es war ein Inferno der Gewalttätigkeiten und machte es den wenigen, die umherzogen und neue Aufenthaltsorte suchten, umso schwerer, zu überleben. An anderer Stelle habe ich es bereits geschildert, indem ich mich in die jeweiligen mir das Schildernden hineinversetzte und es schriftlich niederlegte.

Und ich selbst kann euch auch keinen wirklichen Grund für das Ereignis als solches benennen. Es gibt eben doch Geschehnisse, deren Ursachen uns erst lange Zeit danach offensichtlicher werden, wenn überhaupt. Doch ich hatte einfach das unverschämte Glück, eine Gruppe gefunden zu haben, in der ein Großteil nach Antworten suchte und man sich dazu dann regelmäßig austauschte.

Wenn es sich  um Kriege handelt und nicht um Naturereignisse, dann ist nur eine relativ kurze Zeitspanne notwendig, bis man die Ursachen und dazugehörige menschliche Netzwerke erkenn- und nachvollziehbar machen kann. Alleine an der Verifizierung von Informationen mangelte es spürbar, denn, wie ich bereits mehrfach ausgeführt habe, es gab keinerlei Medien mehr nach dem Geschehnis. Ganz einfach weil, es kaum noch Menschen gab, die die technischen Welten instandhielten. Handies, Computer, Radio, Fernsehen, Internet, das alles versagte nach und nach den Dienst und so wurde es nicht nur dunkel sondern auch auffällig still.
In meiner kleinen Gruppe tauschten sich demzufolge eigentlich alle mir bekannten Menschen miteinander aus. Die Gespräche miteinander erhielten nach meinem Empfinden eine ungemeine Wertschätzungssteigerung. Vielleicht liegt es ja nur am eben dargestellten Mangel der besagten Medien. Es gab demzufolge wenig bis gar keine verifizierbaren Informationen, dennoch kristallisierte sich nach und nach bei den Gesprächen heraus, dass es ein Merkmal des Menschen war, das als Beweggrund für dieses Desaster eine mMn allgemeine Zustimmung fand. Man kann es so zusammenfassen:  es war dies die Lüge!

Wie ihr gerade beim Lesen erfahrt, hat auch mich selbst das Thema der Lüge sehr nachdenklich gemacht. Mir selbst ist es begegnet, auch indem ich selbst gelogen hatte und auch erkannte, dass mich andere Menschen anlogen.
Die Lüge – warum lügen wir Menschen?
Vor allem, warum lügen wir uns sogar selbst an?!
Ich weiß, dass ihr alle, die ihr das lest, bestimmt eure ganz eigenen Gedanken zum Thema Lüge habt, oder lebt ihr in Gemeinschaften, in denen es keine Lüge mehr gibt?
Erinnert ihr euch oder habt ihr vielleicht sogar Dokumente und Zeitzeugen zur Verfügung?
Vor dem Ereignis wurden über die beeinflussbaren und von bestimmten Gruppen bezahlte Medien die Meldedichte zum Thema Lügen immer häufiger. Ganze Nationen vibrierten geradezu, wenn es darum ging, bestimmte Narrative und damit leider zumeist Lügen zu verbreiten und über kurz oder lang stellte sich dann heraus, dass die, die die Deutungshoheit versuchten zu halten und durchzusetzen, eigentlich ständig gelogen haben Und das war nach meinem Empfinden in der mich umgebenden Gesellschaft ein durchgängiges Phänomen. Nicht nur, dass unsere uns umgebenden Führungsebenen wie von Zauberhand bewegt begannen, ganz spezifische Verhaltensweisen zu entwickeln (z. B. haben sie jedwede Kritik kategorisch abgelehnt und haben die Kritikerschaft mit rechtlichen, ermittlungstechnischen sowie direkten ad-hominem-Angriffen „beglückt“). Ein mir in lebendiger Erinnerung gebliebenes Phänomen war, dass die amtierende Richterschaft völlig konform mit solchen Vorgehensweisen ging, indem sie eine Unzahl von Urteilen im Namen des Volkes aussprachen, die viel Schaden verursachten bei den „überführten“ Verschwörerschaften. Eine vernunftbasierte Auseinandersetzung verschwand damit über kurz oder lang und wurde ersetzt von einer ideologischen Ausrichtung bei der Bewertung von Geschehnissen und Ereignissen. Leider war die Wahrheitssuche immer mehr einer Propagandaveranstaltung gewichen. Und die, die sich dagegen aussprachen, wurden „abgespalten“.

Zurück zum Phänomen der Lüge. Lügen haben immer Motivationsfelder im Wesen des Einzelnen. Wenn ich also über meine Suche nach den auslösenden und sowohl individuellen wie auch sozialen wirksamen Gründen berichte, dann weil es mir damals einfach aufgefallen ist und ich kann hier auch nur berichten, was in mir den folgenden Denkschluss entstehen ließ: Das die Lüge auslösende Momentum  waren mMn oftmals rein Gier bezogene Beweggründe. Den eigenen Luxus, den eigenen Nutzen, die ganz eigenen Strategien zu  Macht und Geld, bestimmten damals das Geschehen weltweit- aber auch im direkten Umfeld der meisten Menschen selbst. Es geschah einfach durchgängig. Die Eskalationsskalen wurden innerhalb von nur einigen Jahren oder sogar Monaten bis hin zu Kriegen  erreicht. Niemand schien das aufhalten zu wollen, geschweige denn zu können. Und so kam es zu einer tiefgreifenden Spaltung der Menschengemeinschaften. Es gab viele Menschen, die sich völlig abwendeten und die bereits vor dem Geschehnis kaum noch die ihnen rund um die Uhr zur Verfügung stehenden Medien nutzten. Warum? Weil sie das ständige Lügen einfach satt hatten.
Und es gab die, die das gar nicht tangierte, da sie diejenigen waren, die alles daransetzten, zu den „Gewinnern“ zu gehören oder einfach nur ihr Dasein versuchten zu sichern und zu überleben. Doch das gestanden sie sich nicht ein, denn dann wäre es ggfs. zu einer Art Solidarität gekommen, die tiefgreifende gesellschaftliche Änderungen hervorgerufen hätten. Aber es gab Ausnahmen. Sie waren für mich wie strahlende Lichtgestalten. Menschen, die die Wahrheiten suchten und auch fanden. Insbesondere die Wahrheiten, die sich finden ließen zu den Themen der damals sogenannten Corona-Pandemie. Sie deckten Muster auf. Eines der Muster war das Lügengespinst, das durch  parteipolitische Okkupationen der Gesellschaften stattgefunden hatte. Und sie wurden alle „amtsbehandelt“. Wie auch sonst, hatten sie doch dieses Muster erkannt und belegt. 

Man hatte binnen sehr kurzer Zeiträume allenthalben gespürt, belegt und erkannt, dass das Lügengespinst immer umfassender wurde. Und es wurde auf tyrannische Weise durchgesetzt. Das war mit normalem Menschenverstand ausgestatteten Menschen sehr offensichtlich geworden. Sogenannte „alternative Medien“ wurden „amtsbehandelt“ und die politkonformen Okkupationsszenarien ließen viele in diesen Szenen arbeitende Menschen nach und nach verschwinden bzw. zerstörten deren Existenzen. Das mMn perfide daran war, dass alle, die an diesen Lebenswerkzerstörungen teilhatten, meist selbst ganz einfache Minds waren, die nur ihrer Gier nach Anerkennung, Karriere, Bezahlungen frönten. Die ponerologische Indikation war gut erkennbar geworden. Und sie versuchten, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, von dieser abzulenken, teil bewusst, teils unwissend.

Wahrheiten wurden „gemacht“ und jedwedes Infragestellen wurde auf leider oftmals völlig kurzsichtige und instrumentalisierte Weise „sonderbehandelt“. Und sie versuchten allenthalben ihre Lügen als „DIE“ Wahrheiten durchzusetzen. Schlimm war das. Das empfand zumindest ich persönlich so.

Man eröffnete z. B. immer neue Kriegsschauplätze und machte richtiggehend Jagd auf alle Andersdenkenden, um sie letztendlich in den Krieg zu führen und damit größtenteils auch zu vernichten. Oder man zerstörte auf „legale Weise“ Existenzen. 

So kam es zumindest mir damals vor.

Sämtliche Verhandlungsvorhaben wurden torpediert mit weiteren gewaltvollen „Inszenierungen“. Dadurch entstand ein umfassendes Tohuwabohu. Anders kann ich es nicht beschreiben. Doch dann kam das Ereignis. Und alles wurde anders. Ich weiß nicht, was ihr fühlt, wenn euch bewusst wird, euer Leben wird bald enden? Mir ging es so, dass ich nachdachte, denn das sind elementare Geschehnisse. Ich zog mich immer mehr zurück. Ich hatte erkannt, dass ich nicht teilnehmen wollte, auch um meinen Dimensionswechsel nicht selbst zu belasten. Ja, das war meine ganz eigene und kleine Erkenntnis. 

Ich bin kein besonders gebildeter Mann. Deswegen seht es mir nach, dass meine Schilderungen eben auch nur dem entsprechen, was mein Mind wahrnahm und ich das Wahrgenommene  hier aus meiner subjektiven Sicht schildere, dass ich, genauso wie alle mir bekannten Überlebenden,  tiefgreifende traumatische Ereignisse „überlebt“ habe und mich nicht freisprechen kann, dass bestimmte Aspekte des Dargelegten nicht der Wirklichkeit des Moments entsprechen. Vielleicht könnt ihr es mir bitte verzeihen?! Ich lüge euch nicht an! Wozu auch? Ihr, die ihr das lest, gehört einer ganz anderen Zeit an als ich und ich wünsche, hoffe, dass ihr in einer Zeit des Friedens und der Liebe existieren dürft.

Dennoch schildere ich alles mit mir und um mich herum Geschehene so gut ich kann.
Gerade jetzt, wo ich das aufschreibe, spielt mein Mind mir Erinnerungen ein. Ich denke an einige spezielle Menschen, die mir vor dem Geschehnis persönlich Schaden zugefügt haben. Ob sie wohl noch leben? Es ist mir inzwischen gleichgültig, doch ich erwische mich immer noch dabei, dass ich an solche Szenen denke, wo andere Menschen mir wirklich ernsthaft zu schaden gedachten. Ich atme dann tief durch und weiß auch, dass nur sehr wenige Menschen das Geschehnis überlebt haben. Ich sah ihre Leichen selbst mit eigenen Augen. Ständig und ganz gleich wo auch immer ich mich aufhielt, überall tote Menschen. Und es waren auch viele dabei, denen ich in meinen schlimmen Zeiten begegnet war. Ich habe versucht, sie zu bestatten. Nicht immer gelang es mir.

Von einem weiß ich sicher, dass er nicht mehr unter den Lebenden weilt. Einer meiner besten Freunde war Zeuge und sagte mir, dass er diese Person damals in Ausübung seiner beruflichen Funktion eindringlich gewarnt hätte, dass für ihn und seine Untergebenden Lebensgefahr bestünde. Das hat dieser Mensch aber wohl auf sehr  auf hochnäsige und arrogante Art negiert und ihn – meinen Freund – dann herauskomplementiert. Nur Minuten später explodierte das Büro bzw. der gesamte bauliche Komplex. Der Betreffende hatte sich wohl nicht im Büro aufgehalten, denn mein Freund selbst sah, dass er mit zwei weiteren Leuten auf der Treppe zum des nach dem Anschlag nun teils zerstörten Gebäude stand. Arg mitgenommen wohl, aber stehend. Ich selbst war wohl auch involviert, allerdings gab es noch mindestens eine weitere Person, die eindeutig zu einer bewaffneten Gruppe gehörte. Es fielen Schüsse.  Es war unbeschreiblich grausam. So wie ich es nachvollziehen kann, waren es die sogenannten Todgeweihten, die hinsichtlich der Bewaffnungen und dazugehöriger Überfälle auf Militär- und Polizeikasernen zu einem umfassenden Rachefeldzug sich bemüßigt sahen und radikal und brutal diesen auch ausführten. Ihr Argument ist und war übrigens: sie haben uns belogen.

Also auch hier der Begriff der Lüge.

Vielleicht war es auch der Situation geschuldet, dass diese Todgeweihten zu martialischen Vorgehensweisen gegenüber den von ihnen entdeckten Lügenträgerschaften tendierten. Sie erhängten ihre Opfer kopfüber und schnitten ihnen die Bäuche auf. An jedem Opfer hinterließen sie ein kleines Schild mit der Aufschrift: Sie oder Er hat uns alle belogen.

An anderer Stelle habe ich mehrfach  probiert, dieses damalige Geschehnis vor dem ehemaligen Verwaltungsgebäude zu beschreiben. Ich werde es wohl noch öfters versuchen, denn ich habe ja Zeit und schreibe alles auf und es nagt in mir, denn war das wirklich ich selbst gewesen, der dort auf so gewalttätige Art Leben vernichtet hatte?

Ich verbringe viel Zeit damit, mich diesen in meiner Erinnerung anscheinend beiseite geschobenen Gedanken zu widmen, auch wenn es mich zugegebenermaßen sehr schmerzt.

Während dieses „Reifungsprozesses“ begann ich nach und nach meine Geschichten zu schreiben. Und bitte, meine Intention war es nicht, mich als etwas ganz Besonderes zu betrachten, schon gar als Schriftsteller zu gerieren. Im Gegenteil. Meine diesbezüglichen Fertigkeiten sind mMn nicht so ausgeprägt.

Doch ich stellte fest, dass ich nicht alleine für mich selbst schreibe,  sondern vor allem für euch.  Eine etwaige Leserschaft aus einer ganz anderen Zeit. Ja, ich hege wieder einmal Hoffnung. Die Hoffnung, dass meine Wenigkeit und die mich zur Zeit umgebende und begleitende kleine Menschengruppe nicht die letzten Menschen sein werden. Dass, sollte es einem von euch möglich sein, diese Zeilen aufzufinden, ihr die Lektüre in friedfertiger Mitweltsituation aufnehmen und lesen könnt. Das hoffe ich sehr.

Meine Situation ist die, dass ich mich in einer wahrhaftig stattfindenden und  gelebten Dystopie befinde. Umso mehr wünsche ich euch übrigens von Herzen, dass ihr ein besseres Leben führen könnt, als ich oder die mich momentan umgebenden Menschen. Und ich hege immer wieder die Hoffnung, dass meine Schriften nicht ungelesen bleiben. Doch vielleicht verschwinden sie auch einfach, so wie die Millionen von Menschen einfach aus dem Leben genommen wurden und es auch kaum mehr Menschen in meinem Hier und Jetzt gibt oder vielleicht  geben wird, die sich an die Verblichenen erinnern werden und so das Gedenken an sie aufrecht erhalten werden. Denn es gab bei allem von uns selbst verursachten Leid viele gute Menschen. Und sie werden so vergessen wie alle anderen auch. Das empfinde ich als sehr traurig. So kann das Leben sein. Oft denke ich, dass ich in einer von anderen geschriebenen Geschichte eine Figur bin. Das ist ein interessantes Phänomen.

Ich hege Hoffnung, denn das Letzte was stirbt ist die Hoffnung,. Versteht ihr das? Kennt ihr das Gefühl der Hoffnung? Sie ist in uns allen gewesen, damals. Niemand konnte von sich behaupten, dass er dieses ungemein starke menschliche Gefühl nicht selbst spüren konnte.  

Das Geschehnis kam so dermaßen schnell über uns. Sagt euch Armageddon etwas. So in etwa. Nur, dass kein Himmelskörper einschlug auf der Erde, aber genauso wirksam, denn plötzlich gab es einfach keine Menschen mehr bzw. nur noch sehr sehr wenige. Das ist nicht einfach für alle Überlebenden. Ich hoffe, ihr könnt das etwas nachvollziehen.

Ich denke oft über die Kategorien Gier und Glauben nach. Es gibt Minds, die sind einem von beiden zutiefst ergeben und scheinen völlig außer acht lassen zu können, dass ihre Gier so vieles in ihrer aktuellen Mitwelt zerstört. Es ist die Gier nach Geld und Reichtum, die Menschen zu echten Bestien werden läßt. Soviel kann ich dazu berichten, denn ich habe es am eigenen Leib erlebt, was Gier bei uns Menschen verursachen kann.  Alles anscheinend nur, um die eigene Gier zu befriedigen. Sei es die Sucht, sei es die Geldgier, Menschen werden durch die Sucht und die Gier wahrhaftig zu Monstern.
Die Gier der Voreignismenschen war unermeßlich. Ich kannte nur eine Handvoll Menschen, bei denen ich keine Gier erkannte. Der überwiegende Teil war total gierig. Gierig nach Geld, Besitz, Anerkennung, Karriere oder einfach nur, anderen ihren eigenen Mentalmüll aufzubürden.
Ich hatte selbst solche Anwandlungen.

Heute, wo ich irgendwie überlebt habe, sehe ich das mit tränenden Augen und schlechtem Gewissen.

Aber die weiße Seite obsiegte in mir, denn ich stellte mein Fortkommen darauf ein, meine Meinung argumentativ und möglichst ohne „doppelten Boden“ darzulegen und zuvor auch selbst zu verifizieren. Kurz, ich wollte, nein ich glaubte daran, dass ich die Welt ein wenig schöner machen könnte. Ergebnis war: die Welt fickte mich und ich wurde aus der Bahn gedrängt. Doch auch das habe ich überstanden.

Und ich überlebte auch das Ereignis. Ich sah und sehe bis jetzt ständig den Tod. Unzählige Menschen sind gestorben. Und es vergeht nicht ein Moment, wo wir nicht auf Leichen stoßen. Wir sind nur noch ganz wenige.

So dachte Tschej Pi schon lange Zeit und hatte immer wieder mit den anderen Wenigen Gespräche gesucht, um herauszufinden, ob er einen durch sein Mind gefertigten Fiktion aufgesessen war oder ob es tatsächliche Anhaltspunkte für seine Lügenthese gab.

Oft saßen die Wenigen zusammen und berichteten einander, dass die Lüge, der Verrat, das Denunzieren immer einen direkten Bezug zu einer menschlichen Eigenschaft aufweist: der Gier!Sie stimmten darin also mit Tschej Pi überein.
Und sie erkannten oftmals  mit gemeinsamer trauriger Stimmung, dass sie alle selbst nicht ohne Schuld waren. Jeder kannte die Gier, hatte er oder sie vielleicht vor dem Geschehnis und kurz danach noch selbst in sich gehabt und entsprechend gehandelt.

Doch sie hatten zunächst einmal schlicht das von ihnen so  benannte „Geschehnis“ überlebt.

Und niemand von ihnen vermochte ein nachweisliches und schlüssiges Muster für den Grund zu erkennen. Was sie aber deutlich erkannten war, dass selbst jetzt, nach dem Geschehnis viele Verbliebene einander bekämpften und das aus genau denselben Gründen wie vor dem Geschehnis. Statt Zusammenarbeit im Sinne der Linderung und vielleicht Überlebensperspektivengestaltung, wurde weiter der Kampf und die Widerlichkeit in den Vordergrund gestellt.  Das Böse hatte demnach genauso überlebt wie das vermeintlich Gute.
Und warum? Sicherlich sind das vermeintlich Gute und Böse die Menschen prägenden Kräfte und es sitzt tief in uns. Ganz tief! Und viele waren sich darin einig, dass sie selbst es noch beobachten und auch spüren konnten, dass sich das Böse gerne einer Vielzahl von für die davon Betroffenen sehr negativen Angelegenheiten zuwandt und sich wegen seiner sehr lukrativen Durchsetzung wie ein Spinngewebe über alle Gesellschaften legte, die sich nicht verwehren konnten.

Selbst nach dem Geschehnis gab es Überlebende. Und wieder waren dieselben Wirkungen des Übels erkennbar, denn außerhalb der eigenen Gruppe trafen sie auf andere Gruppen, die nur die Reste plündernd überlebten. Und diese waren lebensgefährlich. Man ging ihnen aus dem Weg. Und sie hatten sich selbst auch wieder bewaffnet, um sich gegen so geartete Angriffe zur Wehr setzen zu können.  Einige Leute meinten, dass das Prinzip der Abschreckung nach wie vor funktioniere und oft diskutierte man darüber, wie das kontrolliert werden könne, z. B. dadurch, dass sich keine verschwörungsartigen Geschehnisse innerhalb der eigenen Gemeinschaft bilden können, wenn man für vollständige Transparenz der Geschehnisse Sorge trug.

Die Hoffnung stirbt zuletzt! Auch dieses mentale Muster hatte überlebt. Die Wenigen um Tschej Pi waren sich mehrheitlich darüber einig, dass es ihre gemeinsame Hoffnung war, weiter überleben zu können und weiter Überlebende zu finden, die gemeinsam und zum gegenseitigen Wohle ihren Wert darlegten. Und vor allem war es ein sehr umfassender gemeinsamer Wert, Frieden zu erreichen. Alle wollten nicht nur einfach überleben, sondern hegten eine Ausrichtung auf eine Form der nachhaltigen Sicherung von Überlebensfähigkeiten.  

Einige der Gruppe sammelten Samen und Setzlinge wo immer sie konnten und lehrten alle Interessierten im Erkennen, Lagern, Verarbeiten und in der Anzucht und Pflege. Sie pflanzten so immer wieder neue Baumsetzlinge und im Laufe der Monate waren sogar kleine Baumschulen entstanden. Wenn das kein Zeichen war, das alleine darauf fusste, dass sie die Hoffnung hegten, die Bäume wachsen zu sehen, damit sie dereinst zum Wohle der Menschen dienen können.

Andere versuchten, die ehemaligen und inzwischen immer wieder auffindbaren freien Zuchttiere einzuhegen oder sie für ihr teils nomadisches Leben umzugewöhnen. Ja, es waren vergleichsweise minimalste Initiativen, doch sie hatten sich angewöhnt, jedes neue und friedfertige Leben zu begrüßen und die Gemeinschaft zu erweitern. Zu tief saß der Schock über das Desaster des Geschehnisses in ihnen allen.

Das Thema der Drogen und ihrer dazugehörigen Geschäftssysteme war erst unlängst  bei einem heißen Getränk eingehend diskutiert worden. Man  versuchte gemeinsam herauszubekommen, wer und wie die damaligen Netzwerke für den Drogenhandel (u.e.m.) organisiert worden waren.  Es wurde dabei für sie ersichtlich, dass es immer irgendwelche Kartelle (meist familienbasierte) gewesen sind, die ihre jeweiligen Absatzgebiete hatten und sehr erbittert darum kämpften.  

Und wer bezahlte ihnen das Geld dafür, kriminellste Vorgehensweisen zu praktizieren?
Darin waren sie sich einig: Alle Süchtigen!

Sie waren süchtig danach, zu such(t)en wie es eine unter ihnen verkürzt und treffend darstellte. Wie sie berichtete, verfielen vor dem Geschehnis mehr und mehr Menschen dieser Sucht nach insbesondere das Bewusstsein verändernden Substanzen. Einige Drogen gaben den Konsumierenden das vermeintlich gute Gefühl der eigenen Unschlagbarkeit und damit Stärke. Koks war eine dieser Drogen und sie erzählte davon, dass Abstriche auf den Toiletten des damaligen obersten Parlamentsgebäudes klar belegten, dass dort Koks in erheblichem und vor allem nachweisbaren Maß konsumiert worden sei. Koks war zudem die umsatzstärkste Geldquelle für alle, die mit der Beschaffung und dem Vertrieb zu tun hatten. Es galt nach Darstellung Greding´s ein einfacher und damals gültiger rechtlicher Zusammenhang zwischen der Preisbildung und damit dem möglichen Einkommen sowie dem strikten Verbot des Handels sowie der Produktion dieser Substanzen. Kurz: solange dieses VErbot strikt angewandt wurde, umso höher wurden die Preise und damit die Gewinne.

Doch wie ließ sich die Sucht so vieler Menschen erklären?

Dieses wundervolle Gefühl, dass alles machbar schien und sei es durch brutalste Gewalt, das war ein für Koks typisches Gefühl und verursachte doch stets alleine wegen des damit verbundenen Geschäfts sehr negative Folgewirkungen in den betroffenen Gemeinschaften und Gesellschaften. Darin war man sich einig.

Die Sucht = Nachfrage der Süchtigen erzeugte die gewaltigen Geldsummen, um die sich eben diese Kartelle bis zum Tod stritten. Somit war es das jeweils eigene unbändige Verlangen = die Sucht nach Stärke, Sicherheit und dem „Nichts ist unmöglich-Syndrom“.
Für die Familienclans zählte vor allem aber immer der Aspekt Sicherheit der Absatzmärkte. Diese Situation führte zu einem fürchterlichen Durcheinander, was viele der Wenigen zu erkennen meinten, wenn es um die Zeit vor dem Geschehnis ging. Und damit war immer und immer wieder das  Gespinst von Lügen zum eigenen Vorteil aufgetreten.

Besonders taten sich nach Meinung vieler der Diskutanten die damaligen politisch Verantwortlichen hervor, z. B. hinsichtlich des Übernehmens von tatsächlicher Verantwortung als es um die anscheinend künstlich erzeugte Pandemie oder gar um Kriegsgeschehnisse im Osten Europas ging. Doch im Hintergrund geschahen die mit Drogen einhergehenden ständigen und letal wirksamen Geschehnisse. Sie erinnerten sich alle daran, dass es nirgends und von niemandem vorangebrachte Übereinkünfte in der umgebenden Gesellschaft zum Thema Umgang mit Sucht, Sehnsucht, Wünschen u.ä. gab. Es gab nur eine ständige zunehmende gewaltvolle und kriegerische Auseinandersetzung zwischen dem vermeintlich Guten und dem vermeintlich Bösen um nichts anderes als Geld und damit war die Gier eine der wichtigsten Triebfedern der desaströsen gesellschaftlichen Entwicklungen.

„Erinnert ihr euch, dass es gerade die sogenannten demokratisch Legitimierten waren, die diese erkennbaren Lügengespinste immer und immer wieder mit neuen, weiteren Lügen zu rechtfertigten versuchten?!“, sagte Greding einmal, als es um genau dieses Thema ging. Alle nickten zustimmend.

„Sie verhielten sich selbst rechtfertigend fast so, als seien alle, die andere Schlüsse aus den Ereignissen zogen, Feinde der Demokratie, ja, des Lebens als solches!“ warf Benny ein. „Ich habe es bedingt durch mein Alter nicht selbst erlebt, doch ich habe viele, unendlich viele Dokumente in den Tiefen des Internets gefunden, die diesen Schluss über die Zeit vor dem Geschehnis nahelegen.
„Auch und wieder eine Lüge“ konnte ich immer wieder als Kommentare oder gar Informationsformaten finden. Ich habe mir Zugänge und Instrumente geschaffen, um sowohl Rechnersysteme als auch die noch vorhandenen Kommunikations- und Austauschinfrastrukturen ausprobieren zu können.

Auf den meisten alten Rechnern finde ich sozusagen eine ehemalige Lebensspur der einstigen Eigentümer der jeweiligen Computer. Benny und ich versuchen, das alles zu systematisieren soweit wir es können. Es kann meiner Meinung nach vielleicht irgendwann einmal dazu genutzt werden, die Vorgesehehniszeit  und, was ich noch für viel bedeutsamer halte, das eigentliche Geschehnis anhand von Dokumenten nachvollziehbar transparent und damit verstehbar zu machen. Ich lese immer und immer wieder Texte der ehemaligen Eigentümer, die sie in Mails oder anderweitigen Kommunikationsnetzen damals niedergeschrieben haben, dass ein tiefes Gefühl der Machtlosigkeit und des Ausgeliefertseins erkennbar wird. Viele Menschen waren wirklich verzweifelt. Andere wiederum agitierten und veränderten anscheinend auch ihre Lebenssituationen, teils erzwungenermaßen wie z. B. durch juristisch induzierte und polizeilich durchgeführte Maßnahmen, teils  aber auch aus freien Stücken. Einen gemeinsamen Nenner könnte man so benennen: Das Erkennen damaliger Machtstrukturen und die willkürlich durchgesetzten „Erziehungsmaßnahmen“ führten anscheinend bei vielen Menschen dazu, sich abzuwenden. So zumindest interpretiere ich das Gelesene zu einem Anteil. Und ich stelle es zur Verfügung, damit andere es kritisieren können.“

Tschej ging zu den beiden und umarmte sie voller Herzlichkeit. Es kamen noch einige andere der Gruppe dazu. Alle umarmten einander. Einige weinten, andere lachten- Und weil es so still geworden war, konnte man das hören.

Wir leben!